Berliner Ecken und Kanten
Berliner Ecken und Kanten

Berliner Ecken und Kanten

0.4 Jan 2008
Ended

Overview

Reihe mit Stadtreportagen über Berlin, die den ständigen Wandel der Stadt thematisieren. Jede Folge behandelt exemplarisch einen bestimmten Platz (z.B. Alexanderplatz, Stuttgarter Platz, Friedrichsstraße, Ku’damm) und zeigt, wie er sich über die Jahrzehnte gewandelt hat und wie er sich in den nächsten Jahren verändern wird.

German
E2

Die Friedrichstraße

Schnurgerade, drei Kilometer lang, wie ein schmaler Canon durchschneidet die Straße das Häusermeer. Kein anderer Ort spiegelt die wechselhafte Geschichte Berlins so wider wie die Friedrichstraße. Hier begann die Geschichte eines Kranzlers und Kempinskis, hier vergnügten sich in zahllosen Theatern, Varietés, Bierpalästen und Kaschemmen die Hauptstädter und Provinzler, hier blühte in den „Goldenen Zwanzigern“ der Straßenstrich. In der Friedrichstraße wurde über die Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur SED abgestimmt, standen sich drohend amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber, residierte das einzige Grand-Hotel der DDR. Sie sollte zur weltstädtischen Geschäfts- und Vergnügungsmeile der Hauptstadt der DDR werden. Daraus wurde nichts. Erst nach dem Mauerfall kam wirklich Leben in die Straße. Investoren aus ganz Europa überboten sich mit großen Plänen: aus der legendären Friedrichstraße sollte ein Prachtboulevard werden mit profitablen Büropalästen, exklusiven Geschäften und noblen Restaurants. Auch daraus wurde vorerst nichts. Noch stimme der Mix nicht, klagen einige Händler und Gastronomen und suchen nach Konzepten, um mehr Kunden anzulocken. Was fehlt? Noch mehr Luxus und Exklusivität? Nicht alle Geschäftsleute zwischen Checkpoint Charlie und S-Bahnhof Friedrichstraße sehen darin eine Erfolgsgarantie. Sie fordern deshalb nicht noch mehr Luxus, sondern mehr Straßencafés und Bistros, Bars und Clubs, die auch nachts geöffnet haben. Wie auch immer – eine typische Berliner Straße ist sie zumindest geblieben, dank Blockbebauung und Berliner Traufhöhe. Am Potsdamer Platz erinnert nichts mehr an die Vergangenheit. Anders in der Friedrichstraße: Zwischen Oranienburger Straße und Mehringplatz wurde mit Erfolg versucht, an Gewachsenem anzuknüpfen und etwas vom Flair vergangener Zeiten in das Heute hinüber zu retten. (Text: rbb)

Jan 29, 2008 45m

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