Alpendörfer
Alpendörfer

Alpendörfer

0.1 Dec 2019
Ended

Overview

Die Alpen boomen – aber nur zur Urlaubszeit. Die Bergkette droht von einem Lebensraum zu einem Freizeitpark zu verkommen. Die Dokumentationsreihe besucht fünf Dörfer, in denen Menschen versuchen, die Alpen als Lebensort zu erhalten oder wiederzuentdecken.

German
E2

Schweiz: Kastanien und Katastrophen

Der größte Edelkastanienwald der Alpen liegt im Bergell, im Schweizer Kanton Graubünden. Anfang Oktober, wenn die stacheligen, braunen Kugeln zu Boden fallen, bricht in den Bergdörfern das Kastanienfieber aus, und die Bauern strömen in die Selven – in die Haine. Das war nicht immer so. Kastanien waren zwar jahrhundertelang ein wertvolles Grundnahrungsmittel der Bauern im Bergell, doch Ernte und Verarbeitung sind mühsam. So verwilderten die zum Teil 500 Jahre alten Baumriesen und wurden krank. Bis ein paar beherzte Bewohner und eine Investitionsspritze der Regierung dieses Kulturgut retteten. Die Kastanien sind seitdem zu einem Touristenmagnet geworden und für die Bauern ein guter Nebenverdienst. Auch für den Landwirt Marco Giovanoli. Mit seiner Frau Heidi bewirtschaftet er 80 Kastanienbäume in Soglio. Zur Ernte kommt die ganze Verwandtschaft aus der Schweiz zum Helfen, und Kastaniengerichte – salzig oder süß – sind wie das tägliche Brot. Über Wochen quillt der Rauch aus den Cascinas, den steinernen Dörrhäuschen, und in mühsamer Kleinarbeit werden die Schalen von den Kastanien gepult. Bei Ivana und Andreas Engler auf der anderen Talseite helfen die alten Eltern. Ihnen allen sind die Kastanienhaine ein Trost. Denn ihr Haus in Bondo entging nur knapp der Katastrophe, als am 23. August 2017 ein Bergsturz ungeheuren Ausmaßes ihr Dorf teilte. Bis heute zieht sich eine tiefe Narbe durch den Ort, aber die Englers trotzen der Gefahr und der Angst – mit der Liebe zu den Selven.

Dec 31, 2019
E4

Slowenien/Österreich: Grenzenloses Miteinander

Mitten durch die östlichen Alpen verläuft die Grenze zwischen Österreich und Slowenien. Auf beiden Seiten der Grenze leben Menschen mit den Traditionen ihrer Vorfahren, auf beiden Seiten sind sie zweisprachig und suchen nach Wegen, um der abgelegenen Region eine Zukunft zu sichern. Im slowenischen Solcava ist Vida Matk dabei, die traditionelle Schafzucht zu einer Existenzgrundlage zu entwickeln. Ihre Familie züchtet schon seit fast 150 Jahren Schafe auf 1.200 Meter Höhe, doch die Wolle war immer ein Abfallprodukt. Nun will Vida daraus einen Wirtschaftszweig machen. Gegenüber, im österreichischen Kärnten, kämpft Zdravko Haderlap um das Überleben seines Forsts, der von zwei Föhnstürmen kurz nacheinander schwer angegriffen wurde. Eigentlich ist er Theaterregisseur und war in der weiten Welt unterwegs. Ein bisschen von seinem alten Leben bringt der Rückkehrer nun in die Grenzregion: Auf Wandertouren erzählt er von der bewegten Geschichte des Landstrichs. Dabei überwindet er immer wieder die Landesgrenze, in dem Wunsch, auch die Grenzen in den Köpfen der Menschen zu verschieben. Denn er sieht jenseits der komplizierten Vergangenheit viel Potenzial für eine blühende Zukunft. Die Dokumentation zeigt Vida und Zdravko in ihrem Alltag, im tiefen Winter und im aufblühenden Sommer, in atemberaubenden Landschaften, in schwindelerregenden Höhen und bei liebevoller Handarbeit. Immer vorwärts auf der Suche nach neuen Chancen auf alten Wegen.

Jan 2, 2020

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